Doina Ruști

Kritik

Mit dem zweiten Teil des Buches setzt dann die Geschichte erneut ein, diesmal von einer Erzählerin in dritter Person geschildert, die sehr viel über die Personen weiss, dies aber den Lesern nur wiederholend und zögerlich mitteilt. Im Mittelpunkt steht vor allem das Geschehen um jenen 1. Mai 1986, der mit Ostern zusammenfällt und mit den Nachrichten von einer radioaktiven Wolke aus Tschernobyl. Und die Mühle. Die Mühle ist ein Zwitterwesen: «Von vorne sieht sie aus wie ein riesiges Kreuz, aber auch wie ein doppelköpfiges Fabeltier», und zwischen diesen beiden Symbolen spielen sich die Biografien der Dorfbewohner ab.

Jetzt kommt noch ein drittes hinzu: Schmerzhaft eindringlich wird klar, dass eben der Staat, die Securitate einen ganz entscheidenden Anteil an der erzählten Geschichte haben. Nicht nur als reale «Institution», sondern als Macht, welche die Gedanken der Menschen beherrscht. Auch hier ist es der vielgestaltige Dämon aus der Mühle, der das Geschehen bestimmt, indem er die Menschen in merkwürdige Situationen bringt. Er taucht als Lichtphänomen, Schlange, Wolke, sich in Asche auflösende Gestalt, farbiger Punkt auf – der Roman hat in dieser Hinsicht einiges von Fantasy- und Science-Fiction-Filmen gelernt. Zugleich ist das Phantom jener erzählerische Katalysator, der die geheimen Triebkräfte, vor allem sexueller Art, im Verhalten sichtbar macht. Wer will, kann den kurzen dritten Teil des Romans als «Auflösung» dieses Gespensterglaubens verstehen.

Doina Rustis Buch bietet einen gegen viele literarischen Usancen widerständigen Zugang zur Biografie Rumäniens im 20. Jahrhundert und wurde bei Erscheinen 2008 mit dem Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes ausgezeichnet.

Kritiken:

Doina Ruști ist eine ausgezeichnete Prosaschriftstellerin von großem Talent und Intuition.

„…eine ungewöhnliche Liebesgeschichte im Bukarest der Phanarioten-Zeit, gemalt mit allen Werkzeugen einer Prosa von großem Atem, die an Balzac erinnert, mit Intrigen, Durcheinander, Massenszenen, vor allem aber einer heutzutage selten anzutreffenden Kunst des Porträts, in der die seidigen Details der byzantinischen Malerei zu knistern scheinen.“

„Der Roman Manuscrisul fanariot ist ein Festmahl der historischen Prosa.“

Manuscrisul fanariot hat alle Qualitäten, um als der rumänische Roman des letzten Jahrzehnts bezeichnet zu werden.“

„“…einer der besten Romane von Doina Ruști, wenn nicht sogar ihr bester.“